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AAC-Fackel. Das Beispiel einer digitalen Musteredition

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Version 1.0
Beitrag in Sonderband 1
Hanno Biber Autoreninformationen

DOI: 10.17175/sb001_019

Nachweis im OPAC der Herzog August Bibliothek: 830206329

Erstveröffentlichung: 19.02.2015

Lizenz: Sofern nicht anders angegeben Creative Commons Lizenzvertrag

Medienlizenzen: Medienrechte liegen bei den Autoren

Letzte Überprüfung aller Verweise: 24.05.2016

GND-Verschlagwortung: Edition | Elektronische Publikation | Die Fackel (Zeitschrift) |

Empfohlene Zitierweise: Hanno Biber: AAC-Fackel. Das Beispiel einer digitalen Musteredition. In: Grenzen und Möglichkeiten der Digital Humanities. Hg. von Constanze Baum / Thomas Stäcker. 2015 (= Sonderband der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften, 1). text/html Format. DOI: 10.17175/sb001_019


Abstract

In diesem Beitrag wird die digitale Musteredition der von Karl Kraus 1899 bis 1936 in Wien herausgegebenen Zeitschrift Die Fackel präsentiert. Die AAC-Fackel wurde in Zusammenarbeit von Forschern, Wissenschaftlern, Entwicklern und Designern im Rahmen des vom Institut für Corpuslinguistik und Texttechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften betriebenen AAC-Austrian Academy Corpus erarbeitet und am 1. Januar 2007 online gestellt. Die digitale Edition der Zeitschrift Die Fackel gibt einen kostenfreien Zugang zu 37 Jahrgängen, 415 Heften und 922 Nummern mit 22.586 Seiten und mehr als 6 Millionen Wortformen und bietet eine durchsuchbare Datenbank des gesamten Textes mit Indices, Such- und Navigationsinstrumenten in einem funktionell gestalteten Interface, wobei alle Seiten sowohl als Faksimile als auch als digitaler Text abrufbar sind. Die allgemeinen Prinzipien und die Überlegungen zum Design dieser vielgenutzten Textressource beruhen auf einer corpusbasierten Methodologie und sind bestimmend für die Fragen der wissenschaftlichen Edition und des philologischen Zugangs zu diesem Schlüsseltext der deutschen Literaturgeschichte.


This paper presents the digital edition of an important text in German literary history. The satirical magazine Die Fackel (The Torch) was published by the satirist and language critic Karl Kraus in Vienna from 1899 until 1936. The digital edition of the AAC-Fackel was developed by researchers, scholars, programmers, and designers within the framework of the AAC-Austrian Academy Corpus, operated by the Institute for Corpus Linguistics and Text Technology at the Austrian Academy of Sciences in Vienna, and went online on 1 January 2007. The AAC-Fackel offers free online access to the 37 volumes, 415 issues, and 922 issues, comprising 22,586 pages and more than 6 million word forms of Die Fackel and contains a fully searchable database of the entire journal with indexes and search and navigation tools in a functionally designed interface, in which all pages of the original journal are available as digital texts and as facsimile images. The general principles of this scholarly digital edition, and its concept and design considerations, are based on a corpus-based methodological approach and are decisive for addressing questions of critical editions and philological access to this key text in German literary history.


1.

»Dennoch: Der Online-Auftritt der ›Fackel‹ entspricht der Programmatik dieser Zeitschrift. Obwohl oder weil man diesen Auftritt in mehrfachem Sinne auch als »Tritt in die Öffentlichkeit« [F 909,12] wird bezeichnen können.«[1] Die AAC-Fackel, die digitale Ausgabe der von Karl Kraus vom 1. April 1899 bis Februar 1936 in 922 Nummern in Wien herausgegebenen Zeitschrift Die Fackel wurde unter Anwendung computerphilologischer, corpuslinguistischer und texttechnologischer Methoden im Rahmen der an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gegründeten Unternehmung AAC-Austrian Academy Corpus (unter der Leitung von Evelyn Breiteneder) als digitale Musteredition konzipiert, erstellt und am 1. Januar 2007 öffentlich und kostenfrei online zugänglich gemacht.[2] Vorarbeiten für die AAC-Fackel beruhen auf den textlexikographischen Forschungen, die an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Forschungsprojekt Wörterbuch der Fackel durchgeführt wurden, für das der digitalisierte Text der Fackel erstmals für Forschungsarbeiten genutzt wurde.[3] Das AAC-Austrian Academy Corpus ist ein großes Textcorpus zur deutschen Sprache, »eine umfangreiche und komplex strukturierte Sammlung von digitalen Volltexten zur deutschen Sprache und Literatur im Untersuchungszeitraum 1848 bis 1989«[4] und somit Basis für die Entwicklung innovativer texttechnologischer Anwendungen im Bereich der Corpusforschung wie auch für philologische, text- und kulturwissenschaftliche Forschungen. Am Institut für Corpuslinguistik und Texttechnologie (ICLTT) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, in dem in der Arbeitsgruppe LIT – Literature in Transition & AAC-Austrian Academy Corpus das AAC betrieben wird, wird mit diesen umfangreichen und gut strukturierten Textressourcen sowie mit anderen Textcorpora philologische Grundlagenforschung in den Bereichen der Corpusforschung und computergestützten Textwissenschaften geleistet.[5] Das AAC-Programm bildet Schnittstellen zwischen kulturwissenschaftlichen und textwissenschaftlichen Methoden und Prinzipien, philologischer Exaktheit, wissenschaftlichen Editionstechniken, Fragen der Textstrukturierung, Annotation und Kommentierung der Texte einerseits und zeitgemäßer forschungsspezifischer sowie informationstechnologischer Anwendungen andererseits. In diesem dynamischen Aufgabenfeld werden Konvergenzen der Grundlagenforschung im geisteswissenschaftlichen Bereich hin zu deren Umsetzungsmöglichkeiten im Kontext der Digital Humanities erarbeitet. Die AAC-Fackel kann neben der digitalen Edition der literarischen Zeitschrift Der Brenner[6] in diesem Kontext als exemplarischer Anwendungsfall einer aus der Corpusforschung und computergestützten Textwissenschaft entstandenen digitalen Musteredition eines literaturgeschichtlich bedeutenden Textes betrachtet werden. Ihr Zustandekommen und die dafür notwendigen Bedingungen resultieren aus einer sich mit Sprache und Fragen des besonderen Sprachgebrauchs auf empirischer Textbasis in einem bestimmten, mit besonderen Eigenschaften ausgestatteten Textcorpus befassenden Forschungsrichtung, wie sie im ICLTT und seinen Vorgängerunternehmungen seit vielen Jahren betrieben wird.

Abb. 1: AAC-Fackel: DIE FACKEL TEXT (© AAC).
Abb. 1: AAC-Fackel: DIE FACKEL TEXT (© AAC).

Im Laufe der ersten sieben Jahre seit der Veröffentlichung der AAC-Fackel haben sich mehr als 27.000 Benutzer auf dem dafür eingerichteten Webserver mit Email-Adresse kostenfrei registriert, um die zu Verfügung gestellten Texte lesen und durchsuchen zu können. Die in der digitalen Edition bereitgestellten Daten werden sowohl von von spezifischen Text- und Sprachinteressen geleiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erforscht, als auch von allgemein an der Sprache und Literatur interessierten Leserinnen und Lesern aus aller Welt vielfältig genutzt. Das Interface der AAC-Fackel, das nach den für diese Edition entwickelten Prinzipien zur Funktionalität digitaler Textressourcen und von den erforderlichen Überlegungen zum graphischen Design einer elektronischen Version und Neuinterpretation einer historischen literarischen Zeitschrift bestimmt ist, wurde von der in Los Angeles arbeitenden und lehrenden Designerin Anne Burdick in Zusammenarbeit mit dem Projektteam des AAC gestaltet. Das Webinterface der AAC-Fackel ermöglicht den Benutzern, die in XML-Formaten und durch die entsprechenden informationstechnologischen Transformationen digital aufbereiteten und darstellbar gemachten Texte sowohl lesen als auch in komplexer Weise die in den Texten präsenten sprachlichen Formen im Detail und in Verwendung corpuslinguistischer Methoden untersuchen und analysieren zu können. Darüber hinaus kann auch in einfacher Weise in den Texten der Zeitschrift nach sprachlichen Einheiten, Wortformen, Wörtern, Namen und anderem gesucht und können dabei deren Eigenschaften erschlossen werden.

Das literarische Werk des wohl bedeutendsten Satiriker deutscher Sprache und darin die 1899 bis 1936 in Wien herausgegebene Zeitschrift Die Fackel des 1874 in Jičín in Böhmen geborenen Karl Kraus, der in Wien gelebt, in vielen Städten Europas seine Texte vorgetragen hat und (wörtlich und metaphorisch) weit darüber hinaus rezipiert wurde und wird, ist als überaus bedeutender Beitrag der deutschsprachigen Literatur zur Weltliteratur zu betrachten. Die Überlieferung der satirischen und polemischen Texte nun im digitalen Medium, der Texte mit ihrer thematischen Vielfalt, sprachlichen Komplexität und historischen Relevanz, muss für eine wissenschaftliche Institution, die sich der zeitgemäßen Erforschung des kulturellen Erbes nach neuesten wissenschaftlichen Standards verpflichtet hat, eine überaus wichtige Aufgabe sein. In der digitalen Edition der AAC-Fackel wird der gesamte Text dieser Zeitschrift somit einer neuen, an Literatur, Sprache und Geschichte interessierten Leserschaft zugänglich gemacht, und die einzigartige sprachliche und literarische Qualität dieser Texte wird unter Nutzung computerphilologischer Methoden und texttechnologischer Instrumente durch verschiedene Suchmöglichkeiten und Register in einer neuen und anderen Weise erschlossen.

Die AAC-Fackel bietet neben der Volltextsuche und den Registern mit ca. 6 Millionen Wortformen auch ein vollständiges, erstmals publiziertes Inhaltsverzeichnis sämtlicher Texte der Zeitschrift, das für die digitale Edition neu erstellt wurde. Dabei wurden sowohl die Angaben von Karl Kraus in den Überschriften der einzelnen Beiträge bzw. von den Textanfängen und den Inhaltsangaben der Hefte als auch jene Inhaltsverzeichnisse berücksichtigt, die von ihm nachträglich für die jeweiligen Quartalsbände seiner Zeitschrift erstellt wurden. Die vollständige Bildbeigabe aller 22.586 Textseiten (inklusive der Umschlagseiten und Beilagenblätter der Zeitschrift) als digitale Faksimiles ermöglicht den Nutzern die quelleneditorisch korrekte Zitierung aller Texte in den 415 Heften und 922 Nummern der 37 Jahrgänge der Zeitschrift. Es ist für das Interface vorgesehen, weitere neue Funktionen, wie etwa ein auf einer in den letzten Jahren erstellten und bearbeiteten Namendatenbank der Fackel beruhendes Personennamenregister sowie später zusätzlich auch ein Verzeichnis der Varianten der Hefte, in einer solcherart ergänzten erneuerten Version der AAC-Fackel zu implementieren.

Abb. 2: AAC-Fackel: DIE FACKEL CONTENTS und DIE FACKEL
                        TEXT (© AAC).
Abb. 2: AAC-Fackel: DIE FACKEL CONTENTS und DIE FACKEL TEXT (© AAC).

Die AAC-Fackel weist einige herausragende Merkmale in ihrer Erscheinungsform auf. Es wurden fünf Frames zu einem stabilen Interface integriert, so dass die die digitale Edition und ihre Prinzipien und Funktionen beschreibenden Paratexte (paratexts) neben dem Suchframe (search/index) und dem dazugehörigen Resultateframe (results) (Abbildung 3) ebenso je nach Bedarf zur Verfügung stehen wie das Frame mit dem Inhaltsverzeichnis (contents) (Abbildung 2) und das Leseframe (texts) (Abbildung 1). Für die im AAC konzipierte digitale Edition wurde im Rahmen der texttechnologischen Forschungen ein spezifisches, funktionell gestaltetes Navigationsmodul konzipiert, mit dessen Hilfe im Leseframe nicht nur von Seite zu Seite, von Heft zu Heft oder von Jahrgang zu Jahrgang navigiert werden kann, sondern man auch (vom Resultateframe ausgehend) zu im jeweiligen Recherchezusammenhang relevanten Textpassagen direkt gelangen kann. »At every point we know where we are, how we arrived, and how to move around while making use of the analytic features built into the project.«[7] Die besondere graphische Umsetzung im Bereich des Inhaltsverzeichnisses im Webinterface (contents) kompensiert die nicht unmittelbar erfassbaren physischen Objekteigenschaften der Zeitschriftenhefte und Bände durch symbolische Darstellung in Form von Icons und visuellen Informationen zu den Heften und Bänden der Zeitschrift, so dass diese Größenverhältnisse auf diese Weise unmittelbar erfahrbar gemacht werden. Die digitale Edition bietet somit eine optisch wahrzunehmende Repräsentation der von Papierqualität, Papiervolumen, Druck- und Bindungstechniken bestimmten Eigenschaften eines Druckwerks.

»As both a research tool and a digital record, the AAC allows scholars to explore the pages of Die Fackel without making a trip to the archives. Therefore careful consideration was given to the interpretation of the printed journal’s materiality into/onto the screen. While the web version will always come up short in certain aspects when compared to the print originals, a digitized text can perform in ways that a physical archive cannot.«[8]

In der AAC-Fackel ist ein linguistisches Suchmodul (search / index) eingerichtet, das es den an den Texten in besonderer Weise interessierten Leserinnen und Lesern ermöglicht, corpusbasierte Abfragen vorzunehmen und die Basisfunktionalität von mit linguistischen Tags versehenen Textressourcen zu nutzen und die mit Part-of-Speech-Tags (nach dem STTS-Tagset) und mit Lemma-Informationen angereicherten Textelemente in großer Detailgenauigkeit zu untersuchen, wofür zweckdienliche technische Erläuterungen zur Abfragesprache und den Abfrageparametern für das Suchinstrument in den Paratexten der digitalen Edition bereitgestellt werden. Neben der Möglichkeit auch komplex verknüpfte Suchen vorzunehmen, beispielsweise nach bestimmten Wortarten und den Konfigurationen im Text nach dem Gebrauch des attributiven Adjektivs vor einem bestimmten Nomen, kann auch mit Abstandsoperatoren gesucht werden, oder können Suchen nach lemmatisierten Formen und in komplexer Weise (unterstützt durch die dahinterliegende MSSQL-Datenbank) vorgenommen werden. Darüber hinaus gibt es auch einen vollständigen Wortformenindex und einen rückläufigen Wortformenindex, der Wortbildungsmuster in den Texten auf einfache Weise nachvollziehbar macht. Für alle Ergebnisse werden die Frequenzangaben ausgegeben, wie auch die jeweilige Stellenangabe mit dem Leseframe direkt verknüpft ist, so dass der Fund mit der Stelle im Kontext der jeweiligen Seite direkt verlinkt ist. Das Suchframe im Webinterface kann je nach Bedarf modifiziert werden, um mehr oder weniger Text in den KWIC-Anzeigen der Resultate auszugeben, die Suchen zeitlich einzuschränken oder die Anzahl der angezeigten Treffer spezifisch anzupassen, um hier einige wichtige Funktionen zu nennen.

Abb. 3: AAC-Fackel: SEARCH |
                        INDEX und RESULTS (© AAC).
Abb. 3: AAC-Fackel: SEARCH | INDEX und RESULTS (© AAC).

Komplex organisierte Texte und in diesem besonderen Fall die Texte einer historischen literarischen Zeitschrift werden in der AAC-Fackel mit einem Inventar von literarischen Formen und sprachlichen Eigenschaften in einer adäquaten und funktionellen Gestalt im digitalen Medium so wiedergegeben, dass sie unter Nutzung der texttechnologischen Möglichkeiten im neuen Medium, in das die Texte gleichsam übersetzt werden müssen, neu gelesen, interpretiert und analysiert werden können. Aus den Forschungsperspektiven der Literaturwissenschaft (mit Blick auf das Werk von Karl Kraus im Besonderen), der corpusbasierten Textwissenschaft (mit Blick auf die Erforschung von lexikalischen Eigenschaften), der Zeitschriftenforschung (mit Blick auf die Erforschung von Strukturmerkmalen von Zeitschriftentexten im Allgemeinen) kann hier abschließend auch die »Topographie der Texte«[9] beachtet werden. Dabei geht es um die räumliche Verteilung der Texte im Heft, das einen sprachlichen Raum konstituiert, in dem es »Relationen der in ihm enthaltenen Objekte zueinander gibt, der Nähe oder Ferne sowie Richtungsbeziehungen der aufeinander verweisenden Texte, einen Innenraum der Texte und einen durch die Umschlagseiten entstehenden Außenraum, deren Teile in sich und von außen nach innen auf die Mitte hin strukturiert sind.«[10] Der Textraum der Zeitschrift kann mit dem texttechnologischen Instrument der AAC-Fackel, der Navigationsmöglichkeit von Heft zu Heft, den schnellen Auffindungsmöglichkeiten, den Tools zur Darstellung des Inhaltsverzeichnisses aller Hefte, um hier nur ein paar Beispiele zu nennen, nicht nur besonders gut untersucht werden, sondern es werden damit neue, darauf basierende Interpretationen der Texte ermöglicht. Beispielhaft sei hier das zweite im Rahmen des Forschungsprojektes Wörterbuch der Fackel erstellte Wörterbuch erwähnt, das für die drei Teilbände nicht nur den digitalisierten Text zur Analyse und Interpretation nutzen konnte, sondern auch für alle angeführten Belegstellen der Fackel direkte, mit URL-Angaben versehene Verweise vom gedruckten Buch in den digitalen Text verzeichnet.[11]

Die Antworten auf die Fragestellungen nach den geänderten Sichtweisen und Steuerungsvorgängen durch die digitale Verfügbarbeit der Texte in einer Forschungsressource und der damit verbundenen Reinterpretation und adäquaten Präsentation der Ausgangsmaterialien in einer digitalen Edition liegen in der optimalen Nutzung der durch die informationstechnologische Aufbereitung der strukturellen wie lexikalisch-sprachlichen Einheiten der Texte gegebenen Such- und Indizierungsverfahren sowie den verschiedenen, dadurch eröffneten Zugangsmöglichkeiten zum Textgefüge und zu einzelnen Elementen der Mikro- und Makrostrukturen der Textobjekte. »In der Fackel entwickelt Karl Kraus eine eigene Typologie von Texten«,[12] die die semantischen Zuordnungen und Beziehungen der Texte zueinander bestimmt, die mithilfe des digitalen Zugriffs auf die Gesamtheit des Textcorpus ebenso untersucht werden können, wie im sprachlichen Mikrobereich der Texte einzelne sprachliche Formulierungen und ihre Dynamik im Kontext sowie der gesamte Wortformen- und Lemmabestand corpuslinguistisch analysiert werden kann. »Welche Themen in welcher Form behandelt werden, wird im Text an vielen Stellen reflektiert, und viele Themen werden oft in verschiedenen Formen mit unterschiedlichen Intentionen behandelt, in Aufsätzen, in Glossen, Notizen oder Inschriften.«[13] In einem neuen Index für die digitale Edition der AAC-Fackel sollen die Textsorten dieser Zeitschrift genau verzeichnet und dargestellt werden. Eine zentrale Forschungsperspektive liegt von derartigen Fragestellungen ausgehend nicht zuletzt auch in der methodisch-theoretischen Reflexion über die sich durch die Kombination von editionsphilologischen Fragestellungen mit Fragen der Informationstechnologie, der Texttechnologie und der Corpusforschung sowie dem Webinterface Design sich ergebenden Konsequenzen und Forschungsansätze. Die AAC-Fackel »creates a humanistic environment that supports question, analysis, and study.«[14]


Fußnoten


Bibliographische Angaben

  • AAC - Austrian Academy Corpus: AAC-Fackel, Online Version: »Die Fackel. Herausgeber: Karl Kraus, Wien 1899–1936.« AAC Digital Edition No. 1. Hg. von Hanno Biber / Evelyn Breiteneder / Heinrich Kabas / Karlheinz Mörth. [online]

  • AAC - Austrian Academy Corpus and Brenner-Archiv: Brenner online, Online Version: »Der Brenner. Herausgeber: Ludwig Ficker, Innsbruck 1910–1954«. AAC Digital Edition No. 2. Hg. von Hanno Biber / Evelyn Breiteneder / Heinrich Kabas / Karlheinz Mörth. [online]

  • Hanno Biber: Die Komposition der Fackel. Diss. Universität Wien. Wien 2001. [Nachweis]

  • Hanno Biber: »Ihre höchste Stilleistung ist die graphische Anordnung.« Zur Typographie der satirischen Zeitschrift Die Fackel von Karl Kraus. In: Fontes Litterarum – Typographische Gestaltung und literarischer Ausdruck. Hg. von Philipp S. Vanscheidt / Markus F. Polzer. Hildesheim 2014, S. 99–112. [Nachweis im GBV]

  • Anne Burdick: »Notes on the Design«. In: Paratexts, Notes on the Design [2007], AAC - Austrian Academy Corpus: AAC-Fackel. Online Version: »Die Fackel. Herausgeber: Karl Kraus, Wien 1899-1936« AAC Digital Edition No. 1. Hg. von Hanno Biber / Evelyn Breiteneder / Heinrich Kabas / Karlheinz Mörth. [online]

  • Johanna Drucker: Graphesis. Visual Forms of Knowledge Production. Cambridge, MA 2014. [Nachweis im GBV]

  • Werner Welzig: »Wie? Wo? Weswegen?« In: Paratexts, Vorwort (April 2007), AAC - Austrian Academy Corpus: AAC-Fackel. Online Version: Die Fackel. Herausgeber: Karl Kraus, Wien 1899–1936. AAC Digital Edition No. 1. Hg. von Hanno Biber / Evelyn Breiteneder/ Heinrich Kabas / Karlheinz Mörth. [online]

  • Werner Welzig: Wörterbuch der Redensarten zu der von Karl Kraus 1899 bis 1936 herausgegebenen Zeitschrift Die Fackel. Wien 1999. [Nachweis im OPAC]

  • Werner Welzig: Schimpfwörterbuch zu der von Karl Kraus 1899 bis 1936 herausgegebenen Zeitschrift Die Fackel. Alphabetisches – Chronologisches - Explikatives. Wien 2008. [Nachweis im GBV]


Abbildungslegenden und -nachweise

Heft / Sonderband: 
Grenzen und Möglichkeiten der Digital Humanities

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