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Ernst Tollers Briefe in digitaler Edition

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Version 1.0

18.12.2018
Beitrag in Heft 3
Gerhard Scholz Autoreninformationen
Irene Zanol Autoreninformationen

DOI: 10.17175/2018_005

Nachweis im OPAC der Herzog August Bibliothek: 86778640X

Erstveröffentlichung: 20.12.2018

Lizenz: Sofern nicht anders angegeben Creative Commons Lizenzvertrag

Medienlizenzen: Medienrechte liegen bei den Autoren

Letzte Überprüfung aller Verweise: 18.12.2018

GND-Verschlagwortung: Brief | Digital Humanities | Edition | Literaturwissenschaft |

Empfohlene Zitierweise: Gerhard Scholz, Irene Zanol: Ernst Tollers Briefe in digitaler Edition. In: Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften. Wolfenbüttel 2018. text/html Format. DOI: 10.17175/2018_005


Abstract

Im Anschluss an die kommentierte Ausgabe der Werke Ernst Tollers, die 2015 bei Wallstein veröffentlicht wurde, ist 2018 die kommentierte Ausgabe der Briefe Ernst Tollers zugleich online und in Print erscheinen, um unterschiedlichen Forschungsinteressen und Nutzertypen gerecht zu werden. Für die Realisierung dieser Edition in Hybridform wurde mit Word-Dateien gearbeitet, die anschließend in TEI-XML konvertiert und in eine Web-Oberfläche eingebaut wurden. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Usability der Website, die nicht nur ein wissenschaftliches Publikum erreichen, sondern auch als Instrument der Literatur- und Kulturvermittlung verstanden und genutzt werden möchte.


In connection with the publication of the annotated works of Ernst Toller in 2015, the annotated edition of Ernst Toller’s letters was published in both online and print formats in 2018 in order to meet the needs of diverse research interests and users. To produce this highly anticipated edition in hybrid form, MS Word documents were created, converted to TEI XML, and built into a web interface. A particular emphasis was placed on usability in designing the web interface, since the online edition is intended not only for a scholarly audience, but also as a means of communicating the literature and culture of Toller and his context to a broader public.



1. Im Anfang war das Wort

Ernst Toller (1893–1939) ging als einer der meistgespielten deutschsprachigen Dramatiker der Weimarer Republik in die Literaturgeschichte ein. Als Protagonist der Münchner Räterepublik 1919, nach deren Niederschlagung als Festungsgefangener und Opfer der politisierten Justiz sowie schließlich als einer der führenden Intellektuellen des Exils während der Zeit des Nationalsozialismus sind Tollers Leben und Werk über die Literaturwissenschaft hinaus von Relevanz.

Tollers epistolarischer Nachlass, Dokument und Instrument seines vielfältigen privaten und öffentlichen Handelns, ist nicht vollumfänglich erhalten, aber dennoch umfangreich und – was die Sammlung seiner Briefe erschwert – durch die Verfolgungs- und Exilsituation weit verstreut.  

Nicht zuletzt aufgrund der komplizierten Nachlasssituation ist die Herausgabe der Briefe Ernst Tollers ein in der Forschung schon lange bestehendes Desiderat. Wolfgang Frühwald und John M. Spalek planten bereits vor rund dreißig Jahren die Vervollständigung ihrer 1978 im Hanser Verlag erschienenen Werkausgabe[1] durch die Herausgabe der Briefe Tollers, realisierten dieses Vorhaben jedoch nicht.[2]

2009 richtete Stefan Neuhaus an der Universität Innsbruck eine mit Mitteln des österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanzierte Toller-Forschungsstelle ein, deren Aufgabe es war, eine kommentierte Neuausgabe des Werks herauszugeben. Nachdem dieses Vorhaben abgeschlossen war, erschien eine Komplettierung durch eine Briefedition diesmal wie schon in den 70er Jahren – wenngleich unter veränderten Rahmenbedingungen – als logische Konsequenz.  

Unterstrichen wurde dies durch das im Projektantrag formulierte Ziel der kommentierten Werkausgabe, nämlich, den »ganzen Toller, so gründlich und umfassend, wie es der heutige Stand der Toller-Forschung erlaubt«[3] unter Anwendung der aktuellen editorischen Standards zu präsentieren. Zu diesem Zweck wurde in Zusammenarbeit mit der Ernst-Toller-Gesellschaft ein Herausgeberteam von 15 internationalen Forschern gebildet. Die Koordination, die Einrichtung der Texte, aber auch ein großer Teil der Recherchen wurden von der Forschungsstelle, die 2012 von Innsbruck an die Universität Koblenz-Landau übersiedelte, übernommen.

Das Vorhaben, den »ganzen Toller« zu edieren, wies also den Weg zu einem Folgeprojekt schon voraus. Noch während der Vorbereitung der Publikation – die Werkausgabe erschien 2015 im Wallstein Verlag – konnte mit den Vorarbeiten für eine Briefedition begonnen werden.

Seit Oktober 2012 sind rund 1.700 Briefe von Toller ermittelt worden. Die frühesten nachweisbaren Briefe stammen aus dem Jahr 1915, die spätesten aus der Zeit von Tollers Exil, knapp vor seinem Suizid im Mai 1939.

Entsprechend Tollers internationaler Vernetzung sowohl im literarischen als auch im politischen Feld finden sich unter den Korrespondenzpartnern Institutionen und Personen aus aller Welt, darunter namhafte wie Jawaharlal Nehru, Albert Einstein und Franklin D. Roosevelt, aber auch heute zumeist unbekannte Adressaten, deren Nachlässe in kleinen Regional- oder Stadtarchiven liegen und weniger leicht ausfindig gemacht werden können.

Da es keinen geschlossenen Nachlass Tollers gibt, sondern das Material innerhalb Europas und den USA weit gestreut und in (kleineren und größeren) Teilnachlässen überliefert ist, liegen kaum Briefdurchschläge oder Abschriften seiner eigenen Briefe vor, die Toller in seinem Besitz hatte. Toller hatte – jedenfalls in den 1920er Jahren – eine private Briefregistratur, in der er erhaltene, aber auch Kopien abgesandter Briefe aufbewahrte. Sie ist jedoch nur noch rudimentär erhalten und umfasst lediglich die Buchstaben I bis J.[4]

Obwohl viele Briefe zerstört wurden (so etwa der Rest der Briefregistratur) und manche Briefe sich möglicherweise noch in Privatbesitz von Sammlern oder in noch nicht erschlossenen Nachlässen befinden, wurde die Recherche nach Briefen dank zahlreicher gerade auch digitaler Hilfsmittel und Kataloge wie Kalliope, der Zentrale Datenbank Nachlässe des Bundesarchivs oder zahlreicher digitalisierter und online zur Verfügung gestellter Findbücher deutlich erleichtert.

Doch nicht nur die Erschließungssituation ist eine andere als jene, die Frühwald und Spalek in den 70er Jahren vorfanden. Zwangsläufig stellt sich vor der Konzeption einer Edition heute auch die Frage, ob und wie man die Inhalte auch online präsentiert, oder ob man sogar gänzlich auf eine Printausgabe verzichtet.  

2. The best of both worlds: Vorzüge der Hybrid-Edition

Da die Werkausgabe 2015 in Buchform erschienen ist, war eine Fortführung der Zusammenarbeit mit dem Wallstein Verlag von beiden Seiten gewünscht und angestrebt. Gleichzeitig sollten den künftigen Benutzern die zahlreichen Vorteile einer frei verfügbaren digitalen Ausgabe nicht vorenthalten werden. Der Verleger Thedel von Wallmoden erkennt beiden Ausgabetypen ihre Vorteile zu:

»Analoge und digitale Präsentation schließen sich keineswegs aus, sondern sind in ihrem Nutzen z.B. für Erstlektüre und primäre Textrezeption oder gar für die Lektüre aus interesselosem Wohlgefallen einerseits und zum wissenschaftlichen Gebrauch eines Apparats oder eines digitalen Handschriftenbestandes andererseits zu unterscheiden. Diese Nutzungsarten und der jeweils unterschiedliche Zugang zum Text sind keine konkurrierenden Konzepte, sondern sie verhalten sich auch hinsichtlich des ›Benutzerkreis[es]‹ komplementär zueinander.«[5]

Von Beginn an wurden daher in Abstimmung mit dem Verlag beide Wege parallel beschritten – die Vorgehensweise wird im nächsten Abschnitt anhand eines Beispiels geschildert.

Während der Vorteil der Printedition gerade darin liegt, dass sie aufgrund ihrer Materialität dem Rezipienten entgegenkommt, der die Texte zusammenhängend lesen will, liegen die Vorteile der digitalen Edition vor allem in ihrer Flexibilität und Aktualisierbarkeit sowie in ihren vielfältigen Such- und Sortierfunktionen. Was allein das Instrument der Volltextsuche an Möglichkeiten eröffnet, können die besten Personen-, Orts- oder Werkregister im Anhang einer Druckausgabe nicht leisten. Anne Bohnenkamp-Renken und Elke Richter haben die Stärken der digitalen Briefedition knapp und treffend zusammengefasst:

»Muss sich ein Herausgeber von Druckausgaben vorab für ein Anordnungs- und Auswahlverfahren entscheiden, machen die leistungsfähigen Sortier- und Suchfunktionen elektronischer Editionen die Fülle des Zusammengetragenen wesentlich flexibler zugänglich. Briefe sind anders als Werke keine abgeschlossenen Entitäten, sondern Kommunikationsakte in einem Kommunikationskontinuum, das unter den Bedingungen elektronischen Edierens ganz anders in den Blick gerückt werden kann, als es Druckausgaben erlauben. Einer der großen Vorteile digitalen Edierens ist ja die Möglichkeit, das Material unter unterschiedlichen Gesichtspunkten und je nach Nutzerinteressen jeweils anders sortiert und aufbereitet aufzurufen: Aus der einen Datenbank lassen sich so je nach individuellem Interesse die Briefe eines einzelnen Autors (an alle seine Briefpartner, an bestimmte Briefpartner, an einen Briefpartner), Briefwechsel oder Briefnetzwerke erzeugen.«[6]

Synergie-Effekte bei der Arbeit an der gedruckten und der online zur Verfügung gestellten Edition konnten nur entstehen, weil beide Ausgabentypen von vornherein geplant waren. Zwar musste bei der Erstellung der Dateien, der Einrichtung und Kommentierung der Briefe jeweils an beide Ergebnisse gedacht werden und editorische Entscheidungen (etwa die Einführung eines Sonderzeichens zur Kennzeichnung von durch die Herausgeber erschlossenen Informationen) mussten auf ihre Vereinbarkeit mit den technischen Voraussetzungen beider Ausgaben geprüft werden, dafür waren die Editoren gerade durch diese Arbeitsweise auch angehalten, präzise zu arbeiten und jedes gesetzte (Sonder-)Zeichen zu überdenken.

3. Having a way with words: Die Arbeit an der Edition

Für die Transkription und die Kommentierung wurden ausschließlich .docx-Dateien benutzt, die anschließend von einem Informatiker in TEI-basierte XML-Dateien umgewandelt wurden. Der Aufwand, ein Programm für die automatisierte Recodierung der Dateien zu schreiben, wurde aus der Perspektive der Herausgeber geringer eingeschätzt, als der, den es bedeutet hätte, dass sich das ganze Team mit der Arbeit im XML-Editor vertraut macht, insbesondere da .docx-Dateien bereits auf XML basieren und der Weg bereits von anderen beschritten wurde.[7]

Ein Vorzug dieser Vorgehensweise besteht darin, dass die Dokumente problemlos von externen Mitarbeitern eingesehen, bearbeitet und kommentiert werden können, was bei Editionsarbeit häufig der Fall ist.[8] Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt dabei allerdings der Komplexitätsgrad der Auszeichnungen. Sollen handschriftliche Spezifika u.ä. berücksichtigt werden, kippt der Aufwandsunterschied zwischen der Anwendung spezieller Auszeichnungen in Word sowie deren anschließender Umwandlung in TEI-XML und der entsprechenden Auszeichnung in einem XML-Editor vermutlich rasch in sein Gegenteil.

Die Metadaten wurden dabei in einer Tabelle festgehalten, während der Apparat im Anschluss an den Brieftext aufgeführt wurde. Zur Illustration soll hier ein Brief im .docx-Format dienen, der weiter unten noch einmal eingebettet in die digitale Ausgabe vorgeführt wird. Ein hochauflösender Scan des Originaldokuments lässt sich auf der Website der Beinecke Rare Book & Manuscript Library einsehen.

Verfasser Toller, Ernst
Empfänger Wolff, Kurt
Datierung 1922-09-01
Provenienz / Sign. Toller, Ernst, Yale Collection of German Literature, Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale University. (Kurt Wolff Archive, Folder 294, Toller, Ernst 1919-1923)
Absendeort Niederschönenfeld, Deutschland
Briefkopf -
Postst. -
Personen -
Institutionen Drei Masken Verlag
Festungshaftanstalt Niederschönenfeld
Werke Tollers Der deutsche Hinkemann
Die Wandlung
Masse Mensch
Publikationsort Kurt Wolff. Briefwechsel eines Verlegers. 1911–1963. Hrsg. von Bernhard Zeller und Ellen Otten. Frankfurt/Main: Verlag Heinrich Scheffler 1966. S. 329–330.
Beschreibung Brief 2 S., M
Status Komm

Sehr verehrter Herr Wolff,

wenn ich heute Ihr Vertrauen erbitte, so berechtigt mich dazu das freundschaftliche Verständnis, das Sie in vielen Fällen für meine Lage zeigten.

Ich weiß, ich darf zu Ihnen ohne Umschweife sprechen. Der Drei Masken Verlag hat Optionsverträge über „Hinkemann“ und „Wandlung“ für Amerika und einen Vertrag über „Masse Mensch“ für Bern abgeschlossen. Dahin nun geht mein Wunsch: haben Sie die Freundlichkeit, bei Abrechnungen die Einkünfte aus ausländischen Abschlüssen in Original-Valuten, bezw. in den Valuten, die Sie erhielten, meinem Bevollmächtigten zu überweisen. (Also in Dollars oder in Franken). Brauche ich die Gründe zu sagen? Die Möglichkeit, daß ich bald herauskomme, besteht nicht. Bei der steigenden Geldentwertung werden in zwei Jahren (ich komme im Jahr 24 heraus) die paar ersparten Tantiemen nicht dazu ausreichen, daß ich mich in den ersten Monaten nach meiner Freilassung „über Wasser halten kann.“ Spekulationen kommen für mich nicht in Betracht. Behalte ich dagegen einen Teil der Tantiemen in Geldwerten, deren Realwert weder sinkt noch steigt, so kann ich nach meiner Freilassung einiges tun, um verlorene Kräfte wiederzubekommen und in der Haft „erworbene Geschenke“ (wie periodisch auftretende schauderhafte Kopfneuralgien) loszuwerden. (Die Wirkung der Jahre in N. spüre ich mählich).

Schließlich noch ein Wunsch: unterstützen Sie bitte nie deplazierte Aufruf-Aktionen, denen ich wehrlos ausgeliefert bin, und die ich entschieden, da sie nur mir gelten, ablehne. Der Himmel bewahre mich vor der Schwülstigkeit weiterer „Aktionen“ und vor der „Sympathie“ gewisser Unterstützer!

Nehmen Sie die herzlichsten Grüße

Ihres stets ergebenen

Ernst Toller.

Fest Niederschönenfeld,

1. Sept. 22.

Apparat

Drei Masken Verlag] Seit der Gründung der „Vereinigten Bühnenvertriebe Drei Masken/Georg Müller/Erich Reiß/Kurt Wolff Verlag“ im September 1917 lief die Geschäftsführung der beteiligten Verlage über den Drei Masken Verlag ab.

Geldentwertung] Die Aufrüstung für den Weltkrieg sowie die Reparationszahlungen an die Siegermächte führten zu einer Inflationswelle, die in der Hyperinflation von 1923 mündete. Zum Zeitpunkt der Abfassung des Briefes entsprach der Wert einer Mark noch in etwa einem Tausendstel dessen von 1914. Ein Jahr später wurden die ersten 500-Millionen-Mark-Banknoten gedruckt.

Kopfneuralgien] Neuralgie: Nervenschmerz.

N.] Niederschönenfeld.

Aus der .docx-Datei wird eine XML-Datei (document.xml) extrahiert, die automatisiert an die TEI-Richtlinien angepasst wird. Dass dafür XPath benutzt wird, und nicht wie beispielsweise im Fall der Ficker-Edition XSLT,[9], hat zur Folge, dass die Ausgangsdatei nicht direkt in TEI-XML konvertiert wird, sondern in ein Zwischenformat, von dem aus die Zieldatei generiert wird. Diese Lösung ist deutlicher projektspezifisch angelegt, da nur ausgewählte Parameter der Ausgangsdatei extrahiert werden. Eine projektübergreifende Universallösung wäre zwar erstrebenswert, ihre Umsetzung aber insofern fraglich, als die Möglichkeiten von TEI den Anwendungsumfang von herkömmlichen Texteditoren bei weitem übersteigen und die Einführung universaler Richtlinien gegenüber der umstandslosen Verwendung von XML in einem entsprechenden Editor kaum Vorteile bieten würde.

4. Form follows function: Aufbau und Design

Unabhängig davon, wie interessant und neuartig die Inhalte einer digitalen Edition sind, können diese nur eingesehen und produktiv gemacht werden, wenn sie für User über Aufbau und Design der Seite entsprechend zugänglich gemacht werden. Die ersten (und oft auch die letzten) Hürden für Benutzer sind immer mangelnde Übersichtlichkeit und non-intuitive Handhabung. Benutzerorientierung muss deshalb wie bei jeder Webseite oder Software im Zentrum der Konzeption einer digitalen Edition stehen. Bis zu einem gewissen Grad gilt dies ebenso für traditionelle Printeditionen.

Um Nutzern den Einstieg in die digitale Briefedition zu erleichtern, haben wir auf unserer Startseite mehrere Möglichkeiten dafür eingebaut: Über den Briefe-Button (vgl. Abbildung 1) gelangt man zur Übersicht aller Briefe in chronologischer Reihenfolge, von der aus man entweder Brief für Brief lesen, oder nach eigenen Suchkriterien eine Auswahl treffen und durch die gewählten Briefe navigieren kann. Gleichzeitig stehen aber auch verschiedene vordefinierte Suchergebnisse mit prominenten Briefpartnern zur Verfügung, die über die entsprechenden Links angesteuert werden können. Die Startseite stellt außerdem grundlegende Informationen zu Toller und zur Edition auf einen Blick zur Verfügung und bietet so eine erste Orientierungshilfe, bevor die Nutzer überhaupt mit der Suchmaske, d. h. der Benutzeroberfläche der eigentlichen Ausgabe interagieren.

Abb.1: Startseite, 1. Entwurf (Daniel Dutkowski,
                                September 2015).
Abb.1: Startseite, 1. Entwurf (Daniel Dutkowski, September 2015).

Ähnlich schlicht präsentiert sich auch die Suchmaske (vgl. Abbildung 2): zwei Rottöne, zwei Grautöne, Schwarz, Weiß, schlichte Type, symmetrischer Aufbau. Die in der rechten Spalte angeordneten Editoren ermöglichen die gleichzeitige Suche nach Volltext, Empfänger bzw. Empfängerin, Absendeort, Zeitraum, Personen, Institutionen und Werken. Außer »Zeitraum« (der in Form einer Zeitleiste dargestellt ist) und »Volltextsuche« vervollständigen die Suchfelder Eingaben automatisch bzw. öffnen Dropdown-Listen, die die Auswahl von Einträgen aus den zugrundeliegenden Datenbanken zulassen. Das einzige Design-Element, das nicht ausschließlich auf Funktionalität ausgerichtet ist, ist die Zeitleiste (oben rechts), die die Suchauswahl visualisiert und den schnellen Wechsel zwischen den Suchresultaten ermöglicht.

Abb. 2: Suchergebnis. Entwurf (Daniel Dutkowski,
                                September 2015).
Abb. 2: Suchergebnis. Entwurf (Daniel Dutkowski, September 2015).

Wird ein Brief ausgewählt, so wird dieser im gleichen Bereich angezeigt, in dem bis dahin die Suchresultate angezeigt wurden. Mittels der Zeitleiste kann weiterhin zwischen den Briefen gewechselt werden, ohne dass man zu den Resultaten zurückkehren muss. Über die zugewiesene URL können auch einzelne Briefe direkt angesteuert, gebookmarkt und verlinkt werden. Die Metadaten, die in dieser Ansicht standardmäßig auf das Notwendigste reduziert werden, können expandiert werden, um auch die Signatur, den Briefkopf, genannte Personen und Institutionen, erwähnte Werke Tollers und – sofern vorhanden – den Publikationsort einzusehen. Als Personen oder Institutionen ausgezeichnete sowie als emendiert gekennzeichnete Lemmata sind hervorgehoben und mit Informationstexten versehen, die unterhalb der Suchboxen eingeblendet werden können. Damit auch hier Links eingebaut werden können und der Text kopiert werden kann, wurden keine Mouseover-Boxen eingesetzt (Abbildung 3).

Abb. 3: Briefansicht. Entwurf (Daniel Dutkowski,
                                September 2015).
Abb. 3: Briefansicht. Entwurf (Daniel Dutkowski, September 2015).

Die Zitierfähigkeit der einzelnen Briefe wird über die URL gewährleistet, wobei jedem Brief eine Nummer zugeordnet ist, die mit der Nummerierung in der Printausgabe übereinstimmt und in der URL als Pfad nach dem Muster http(s)://Website/Briefnummer figuriert. Dies schafft eine denkbar einfache Konkordanz zwischen Digital und Print und ermöglicht auf Wunsch bei entsprechender Zitierweise auch das direkte Aufrufen bestimmter Briefe. Eine Registrierung von Digital Object Identifiers (DOIs) wurde für nicht notwendig erachtet, da davon auszugehen ist, dass selbst bei einem nicht vorgesehenen Serverwechsel die Seite – und unter Beibehaltung der Nummerierung – auch die Einzelobjekte auffindbar bleiben.

Um die möglichst nachhaltige Archivierung der Daten zu gewährleisten, wird eine Zusammenarbeit mit der Universität Koblenz, an der das Projekt beheimatet ist, angestrebt. Leistungsfähige Server, regelmäßige Back-ups und die Kontinuität der Institution können so die langfristige Verfügbarkeit der Daten sicherstellen. Auch die doppelte Herausgabe als Print- und Digitaledition kann in diesem Sinn als Sicherheitsvorkehrung verstanden werden.

5. Bigger is better: Toller vernetzt

Damit das Gesamtwerk Tollers möglichst flexibel und umfassend rezipiert und erforscht werden kann, ist geplant, nachträglich auch die Werkausgabe zu digitalisieren. Als Schnittstelle zwischen den beiden Bereichen ›Briefe‹ und ›Werke‹ ist eine Chronik geplant (vgl. Abbildung 4), die zusätzlich zu den aus der Sekundärliteratur erschließbaren Daten auch die neugewonnenen Informationen aus den Briefen Tollers miteinbezieht. Insbesondere sind hier die Absendeorte und -daten zu nennen, die u. a. Aufschluss über Tollers politische und literarische Reisetätigkeit geben.

Indem die Online-Plattform nicht nur alle überlieferten Texte Tollers unabhängig von ihrem Publikationsstatus sammelt, vergrößert sie nicht nur den Rezipientenkreis um ein Vielfaches, sondern schafft auch mit den zur Verfügung gestellten Werkzeugen und zusätzlichen Inhalten neue Möglichkeiten für die Rezeption und Analyse des Toller’schen Werks. Es soll so eine Arbeitsgrundlage auf technisch und wissenschaftlich höchstem Niveau geschaffen werden, die, während sie für die wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Beschäftigung mit Toller und seinem Werk durch Historiker, Literaturwissenschaftler, Linguisten und interessierte Laien umfangreiche neue Zugänge auf dem aktuellen Stand der Technik bereitstellt, auch den Grundstein für zukünftige Projekte mit anderen Themenschwerpunkten legt, die auf dem erworbenen Wissen, den erarbeiteten Lösungen und den eingesetzten Techniken aufbauen können.[10]

Die Chronik, die im Mittelpunkt der Plattform steht, soll mit Hilfe von verschiedenen Suchwerkzeugen je nach individuellem Forschungsinteresse und -ziel expansions- und kontraktionsfähig sein. Die Zeitleiste bietet so einen ersten Überblick über das Leben Tollers und kann zur detaillierteren Information beliebig erweitert werden. Zusätzlich können zu einzelnen Einträgen Informationen eingeblendet werden, die mit entsprechenden Abschnitten des Toller’schen Werks verknüpft sind. Über diese Verknüpfungen kann zu den Bereichen ›Briefe‹ und ›Werke‹ navigiert werden. Jeder dieser Bereiche ist auch direkt vom Bereich Chronik aus ansteuerbar.

Wie bereits die Briefe sollen auch Werke und Chronik über Volltextsuchen und integrierte Datenbanken erschlossen werden. Personen, Institutionen und Werktitel sollen sich so im Register darstellen und zur übergreifenden Suche einsetzen lassen. Darüber hinaus sollen über ein Geoinformationssystem die Aufenthaltsorte Tollers auf einer Karte in ihrer Chronologie darstellbar sein. Begriffe wie »Festungshaft« und »Exil« werden so anschaulich mit Inhalt gefüllt.

Abb. 4: Chronik. 1. Entwurf (Daniel Dutkowski,
                                Oktober 2015).
Abb. 4: Chronik. 1. Entwurf (Daniel Dutkowski, Oktober 2015).

Fußnoten

  • [1]
    Vgl. Toller 1978.

  • [2]
    Vgl. die umfangreichen Briefwechsel John M. Spaleks mit Zeitgenossen Tollers und deren Erben in der Sammlung Spalek des Stadtarchivs Neuburg/Donau.

  • [3]
    Stefan Neuhaus im Projektantrag »Kritische Ausgabe der Werke Ernst Tollers«, FWF, P 21359.

  • [4]
    Bundesarchiv Berlin, Signatur: NS26-1230a.

  • [5]

  • [6]

  • [7]
    Vgl. Wang 2014.

  • [8]
    Im Fall der Toller-Briefedition sind es vor allem Kirsten Reimers und Peter Langemeyer, durch deren freiwillige Mitarbeit der Ausgabe wertvolles Expertenwissen zufließt.

  • [9]
    Vgl. Wang 2014.

  • [10]
    Der Programmcode selbst ließe sich natürlich ebenfalls ›opensourcen‹, was aber hinsichtlich der projektspezifischen Verfasstheit als wenig sinnvoll erscheint, zumal die Veröffentlichung darüber hinaus eine dauerhafte Betreuung voraussetzen würde, die unter den Bedingungen eines Projekts mit Laufzeit von drei Jahren schwerlich gewährleistet werden kann.


Bibliographische Angaben

  • Brief-Edition im digitalen Zeitalter. Hg. von Anne Bohnenkamp-Renke / Elke Richter. Berlin, Boston 2013. [Nachweis im GVK]

  • Ernst Toller: Gesammelte Werke. Hg. von John M. Spalek und Wolfgang Frühwald. 5 Bände. München 1978. [Nachweis im GVK]

  • Joseph Wang: Briefedition nach TEI-Richtlinien mit MS-Word? Technische Umsetzung und Erfahrungen. Poster zur Tagung: Datenmodellierung in digitalen Briefeditionen und ihre interpretatorische Leistung. Ontologien, Textgenetik und Visualisierungsstrategien der Nachwuchsgruppe "Berliner Intellektuelle 1800-1830". Berlin 2014. PDF. [online]

  • Thedel von Wallmoden: Prokrustesbett oder Diwan. Der Verlag zwischen Buchmarkt, Editionswissenschaft und eigener Ambition. In: editio. Internationales Jahrbuch für Editionswissenschaft 28 (2014), S. 12–21. [Nachweis im GVK]


Abbildungslegende und -nachweise

  • Abb. 1: Startseite, 1. Entwurf (Daniel Dutkowski, September 2015).
  • Abb. 2: Suchergebnis. Entwurf (Daniel Dutkowski, September 2015).
  • Abb. 3: Briefansicht. Entwurf (Daniel Dutkowski, September 2015).
  • Abb. 4: Chronik. 1. Entwurf (Daniel Dutkowski, Oktober 2015).
Heft / Sonderband: 
Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften - ZfdG Heft 3 (2018)

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